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Wir hätten da ein paar Fragen, Casty...


Italienische
Version


Andrea Castellan, besser bekannt unter seinem Spitznamen "Casty" wurde am 23. April 1967 geboren. Er gilt als einer der begabtesten der neuen Autoren (und Zeichner) und gibt den Anhängern klassischer Mausgeschichten durch seine Werke neue Hoffnung. Mit Massimo de Vita und Giorgio Cavazzano hat er gleich zu Anfang die populärsten aktuellen Disney Zeichner dazu gebracht, seine Ideen zeichnerisch umzusetzen. Dabei ist Casty selbst eine Ausnahmeerscheinung, was seine (Maus-)Zeichnungen angeht. (Stand: 14.10.2007)
 

Anmerkung: Dieses Interview ist in Zusammenarbeit mit Florian Albert entstanden. Einige Fragen wurden von Daniel Jacob und Stefan Pfister beigesteuert.
   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Du hast Dich in relativ kurzer Zeit zu einem der hierzulande beliebtesten Autoren für Micky-Comics entwickelt. Dennoch ist Deinen Geschichten anzumerken, dass Du keinesfalls ein Anfänger bist. Kannst Du uns einen Einblick geben, was Du vorher schon alles gemacht hast? Gibt es vielleicht auch Gedichte, Kurzgeschichten, Bücher oder gar Drehbücher von Dir? Oder kurz: Wie sieht Deine bisherige Karriere aus, wie bist Du zum Schreiben gekommen?


Casty:
Als Erstes möchte ich mich gerne bei Dir und allen deutschen Lesern bedanken, die so nette und lobende Worte für die Geschichten gefunden haben, die ich geschrieben habe.

Ich war ziemlich überrascht, eine deutsche Veröffentlichung von „Das Geheimnis des grünen Lichtes“ (I TL 2613-7, erschienen im LTB Sonderband 12) zu finden, eine Geschichte für die ich mich ein wenig schäme (aufgrund der unausgereiften Zeichnungen). Doch ich sehe, dass auch diese Geschichte in Deutschland gut angekommen ist – vielen Dank dafür!

Nun, ich wurde 1967 geboren und schuf meine ersten Comics bereits im Jahre 1977. Nein, das ist kein Scherz, lass mich erklären:
Ich schrieb (und zeichnete) meine ersten Disney Geschichten in meine Schulhefte. Dann verlieh ich sie (kostenlos) an meine Schulkameraden. Meine Freunde waren davon begeistert, jede Woche warteten sie auf eine brandneue Geschichte, gerade so als wäre es ein richtiges Micky Maus Heft! Weder sie noch ich wussten damals, dass die „echten Geschichten“ der Micky Maus Hefte von vielen unterschiedlichen Autoren und Zeichnern geschaffen wurden.
 

Ein Geschichte (mit den Ducks!)
Ganz alleine von Casty gemacht, als er 10 Jahre alt war!


1993 begann ich dann, professionell für „Cattivik“ zu schreiben, einem monatlich erscheinenden Comicbuch für Kinder – ziemlich bekannt in Italien. Meine erste Geschichte wurde 1994 veröffentlicht und ich habe bis heute 200 Geschichten geschrieben (und teilweise gezeichnet). Dieses Jahr startet die „Cattivik’s TV Serie“ im italienischen Fernsehen, zu der ich einige Folgen beigetragen habe.

Ein Paneel von "Cattivik", 2004 (Copyright Mck/Silver)
Text, Zeichnungen, Tusche und Satz(!): Casty


1999 begann ich für eine weitere sehr bekannte italienische Comicfigur zu schreiben: „Lupo Alberto“.

Ein Auszug aus dem italienischen monatlichlichen Magazin "Lupo Alberto"
2005 (Copyright Mck/Silver)
Casty schreibt für diese Reihe seit 1999 Geschichten!


Im September 2002 begann ich letztendlich meine Arbeit für Disney Italien und….das war’s.

Ein Coverentwurf für das italienische "Topolino".


Ach ja, abgesehen davon arbeite ich weiterhin für Desktop-Publishing Studios, als Grafikdesigner und Zeichner.
Der Anfang war alles andere als leicht: In dieser Zeit war mein Bestreben, ein „Photorealistischer Zeichner“ zu sein - ich liebte Science-Fiction und Horror. Deshalb schickte ich meine Zeichnungen und Geschichten an die unterschiedlichsten Verlage. Der, der mir antwortete war Silver, der Verlag von Cattivik’s: Statt für das photorealistische Zeichnen wollte er mich aber, um komische und witzige Geschichten zu schreiben… Damals war ich vor den Kopf geschlagen, aber heute kann ich sagen, dass es gut so war… Dadurch entdeckte ich meine „wahre Natur“: Ein Comic-Autor für Kinder zu sein!

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Die Credits unter der ersten Seite Deiner Comics nennen stets Deinen Spitznamen „Casty“ und nicht Deinen vollen Namen. Momentan werden ein paar Autoren und Zeichner von Disney-Comics ebenso ausschließlich per Kurznamen genannt, insbesondere Deine spanischen Kollegen von Egmont. Du weißt sicherlich, dass spanische Namen in ihrer vollen Länge wirklich sehr lang sein können. „Andrea Castellan“ scheint allerdings den Platz unter dem Splashpaneel nicht zu sprengen. Also, erzähl uns, wer dafür verantwortlich war, Dich offiziell als „Casty“ zu führen. War es gar Deine eigene Idee?

Casty:
Damals in der Schule war es bei uns gang und gebe, dass wir uns Spitznamen gegeben haben. Ich mochte „Casty“ und benutzte diese Abkürzung deshalb sogar, als ich meine ersten Comics signierte. Dieser Spitzname blieb immer präsent, da meine Freunde mich stets so nannten und bis heute so nennen. Selbst meine Freundin - *ächz* - nennt mich meist „Casticcino“…das klingt bei uns im Italienischen wie „Pasticcino“ (italienisches Gebäck): Was in der Tat ein wenig peinlich ist, wenn sie das in der Öffentlichkeit macht.
 

Casticcino...äh, Pasticcino ;)

   
 
   
Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):

Es ist bekannt, dass Du auch schon Comics Deiner eigenen Scripte gezeichnet hast. Wie siehst Du Dein zeichnerisches Schaffen im Vergleich zur Autorentätigkeit? Unsere Beobachtung ist, dass gerade „Autorencomics“, die von einer Person geschrieben und gezeichnet wurden, häufig ein hohes Qualitätsniveau erreichen. Dies war zuletzt bei einer wunderbaren Robinson-Crusoe-Hommage Deines dänischen Kollegen Rune Meikle zu beobachten. Von den Klassikern eines Scarpa, Bottaro oder Carpi ganz zu schweigen.


Casty:
Oh, also aus meiner Sicht sind das zwei völlig unterschiedliche Dinge.
Wenn Du schreibst, ist das so, als würdest Du einen Teil von Dir selbst weggeben: Dinge, die tief in Dir drin entstanden sind, gibst Du für immer fort.
Zeichnen ist für mich das exakte Gegenteil: Ich bin noch immer dabei zu lernen und deshalb weiß ich, dass „dieser Micky“ mir das nächste Mal ganz sicher besser gelingen wird.
Um es kurz zu sagen: Zeichnen ist aufbauend und gibt mir Schöpfungskraft, das Schreiben nicht.
Das ist der Grund, warum ich es mag, beides gleichzeitig zu tun: Es kompensiert auf eine gewisse Art.
Ich bin auch der Meinung, dass Geschichten, die von einer Person sowohl geschrieben als auch gezeichnet wurden, besonders sind: Das liegt ganz einfach daran, dass niemand so gut wie der Autor selbst weiß, wie man den „Geist der Geschichte“ auf den Punkt bringt.
Beim Gedanken an Romano Scarpa, Massimo De Vita oder Giorgio Cavazzano: Das sind unglaublich gute Zeichner, die Ihr Bestes für Geschichten gegeben haben, die sie selbst geschrieben haben.
Mit einem Zeichner ist es in jeder Hinsicht stimulierend, wenn es die Möglichkeit gibt, Vorstellungen über das Aussehen oder die Form der Paneele auszutauschen.
Zum Beispiel mit Giorgio Cavazzano zusammen zu arbeiten, ist eine wirklich außergewöhnliche Erfahrung: Giorgio ist „der-Mann-der-Deine-Träume-wahr-werden-läßt“. Du gibst ihm Dein Storyboard und es gelingt ihm fast ohne Worte, Dir die fertige Geschichte zu liefern, noch schöner als Du sie Dir je hättest vorstellen können.
 

Casty mit Großmeister Cavazzano, 2005

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
In den vergangenen Jahren italienischer Disney Comics gab es zahlreiche großartige Literaturparodien. Beispielsweise die brillante Parodie auf Victor Hugos „Die Elenden“ (LTB 143, „Das Geheimnis der Silberleuchter“; Carpi) oder die Adaption Friedrich Schillers „Die Räuber“ (LTB 200 „Donald... und die Räuber“; Pavese/Scala). Abgesehen von Marco Boscos Parodie auf Dan Browns „Sakrileg“ (LTB 357; „Rätsel um da Vinci“; Bosco/Ferraris) – die die letzte echte Literaturparodie die hierzulande veröffentlicht wurde war – liegt dieses Genre brach. Was würdest Du davon halten, selbst einmal eine Geschichte zu schreiben, die auf einem klassischen oder modernen Roman basiert? Wir sind davon überzeugt, dass das Ergebnis fantastisch wäre.

 

Casty:
Ja, „Rätsel um da Vinci“ war das letzte eindrucksvolle Beispiel dafür, wie Parodien heute aussehen können. All die großen Klassiker wurden mehrfach aufgegriffen, so wird es notwenig, in der heutigen Zeit nach Vorlagen zu suchen. Und dies nicht ausschließlich im Literaturbereich. Ich denke hierbei an Filme, sie sind die „heutigen Romane“, wo es eine Menge zu parodieren gibt. Ich würde gerne eine Parodie von Camerons „Titanic“ zu lesen bekommen, mit Micky und Minni in den Hauptrollen (mit einem Happy-End natürlich!).
Ich selbst würde gerne eine Art „Lost“ Parodie schreiben: Ein gemeinsames Abenteuer aller Figuren aus dem Maus-Universum auf einer mysteriösen Insel, wo sie es mit einem unbekannten Feind zu tun haben…däää-dä...däää-dä...däää-dä!

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Falls Du schon Erfahrungen mit anderen Medien außer Comics gemacht hast: Was macht das Schreiben einer Comicgeschichte so speziell? Bei einem Drehbuch beispielsweise folgt auf die Umreißung der Idee ein Exposé mit einer Beschreibung der Handlung und schließlich ein Treatment mit allen Szenen, die später zum fertigen Drehbuch ausformuliert werden. Sieht das bei einem Comic ähnlich aus? Erzähle uns ein wenig über die einzelnen Arbeitsschritte. Schließlich sollten die endgültigen Paneele Deinen Vorstellungen entsprechen. Gibt es Lektoren für Comic-Geschichten oder arbeitest Du alleine im "stillen Kämmerlein"?

Casty:
Der Arbeitsablauf ist im Grunde der gleiche: Der einzige Unterschied ist, dass bei einem Film in Minuten gerechnet wird, bei Comics in Paneelen.
Du kannst hier Micky und Co. als Stars sehen und ihnen mehr oder weniger Platz und tragende Dialoge zuweisen oder Nahaufnahmen festlegen.
Ich arbeite mit detaillierten Storyboards, damit ich direkt sehe, was ich schreibe und erkennen kann, ob ausreichend Raum vorhanden ist für Handlung und Text.
Die Redakteure haben erheblichen Einfluss auf den Arbeitsablauf: Sie entscheiden, ob Deine Geschichte gut genug ist, um veröffentlicht zu werden, sie entfernen Paneele oder fügen welche hinzu und schlussendlich überprüfen sie, ob alles in der Geschichte „zusammenpasst“. Die Redakteure sind die „Schattenmänner“: Sie werden unter den Geschichten nicht namentlich erwähnt und dennoch verdanken wir auch ihnen all das, was wir in den Veröffentlichungen sehen.

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Heutzutage ist ein sehr deutlicher Trend zu Comicverfilmungen zu beobachten. Allerdings bezieht sich das häufig eher auf Superhelden-Comics von Marvel. Wie schätzt Du eigentlich die Chance ein, dass Donald, Micky & Co. auch noch einmal auf die große Leinwand kommen? Merkwürdigerweise wurde trotz ihrer großen Popularität nie ein richtiger Spielfilm mit den Entenhausener Figuren gemacht. Liegt es vielleicht auch daran, dass die Figuren im wichtigen US-Markt längst nicht mehr so populär sind wie in Europa?

Casty:

Ja, so sehe ich das. Aber das ist wirklich schade. Ich habe kürzlich einen 3D Trickfilm der Serie „Micky Maus Wunderhaus“ gesehen: Dies ist zwar eine Kinderserie mit pädagogischem Inhalt, aber ich fand sie sehr witzig und gut gemacht…mit einem sehr liebenswerten Micky!
In der Zukunft wird es günstiger sein, 3D zu produzieren, als 2D: Hierin liegt meine Hoffnung auf einen Film mit Micky und Co.
Oh, ich…habe einen Traum: Eine TV-Serie basierend auf Scarpas und Gottfredsons Klassikern. Kannst Du Dir das vorstellen?
Samstag Abend, „Mickys Detektiv Stunde“: Hier kommt für Euch…“Micky Maus und die Delta Dimension“!
Oh, nur ein Traum…aber Walt Disney selbst sagte: „Wenn Du davon träumen kannst, dann kannst Du es auch tun…“

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Manche Künstler bevorzugen ein kleines gemütliches Arbeitszimmer, andere wiederum favorisieren einen hellen weiten Raum. Wie sieht Dein Arbeitsraum aus? Ist es möglich, dass Du uns ein paar Fotos zukommen lässt, die Dich bei der Arbeit in Deinen Räumlichkeiten zeigen?

Casty:
Ich arbeite in meinem Haus, in einem kleinen Zimmer, das ich zu einem Atelier umgebaut habe: Ich habe einen Arbeitsplatz mit zwei Macs, drei verschiedenen Stühlen (für meine unterschiedlichen Tätigkeiten: Schreiben oder Zeichnen) und einem Bett, um meinen gepeinigten Rücken auszuruhen, wenn ich zuviel gearbeitet habe. Es ist ein sonniger und heller Raum im Sommer und rauchig im Winter. Ich mag es, am Nachmittag zu arbeiten und auch abends, wenn die Telefone still stehen und ich in Ruhe wirken kann.

 

Casty in seinem Büro (14.10.2007)

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Bitte erzähle uns ein wenig über Deine Ideen und Inspirationen, die schließlich in einer fertigen Geschichte enden. Wirst Du häufiger mit bestimmten Geschichten beauftragt oder schlägst Du öfter selbst eigene Story-Ideen vor? Wie müssen wir uns Deine Inspirationsfindung im Alltag vorstellen: Gehst Du beispielsweise eines Tages durch die Straßen und bekommst plötzlich die Idee von lebenden Autos usw. (LTB Sonderband Weihnachten 12; „Das Geheimnis des grünen Lichtes“)?

Casty:
Das ist nett…die Vorstellung wie ich spazieren gehe und einen Geistesblitz habe! Ja, manchmal passiert das tatsächlich so…aber es erscheint dabei dann keine Glühbirne über meinem Kopf!
Ich suche in ungewöhnlichen Nachrichten in der Zeitung Inspiration oder indem ich alte Filme anschaue. In letzter Zeit nutze ich das Internet, um Interessantes zu finden. Ich habe einige Notizbücher, wo ich alle Ideen sammle. Es kommt durchaus vor, dass sie dort jahrelang verweilen, aber früher oder später entwickle ich aus ihnen eine Geschichte.
Oft gebe ich mich meiner Leidenschaft, Tierverhalten zu beobachten hin, zum Beispiel bei Hunden, Katzen oder Amseln (von denen gibt es unzählige in meinem Garten). Kennst Du das, wenn beispielsweise kleine Katzen mit etwas ihnen Unbekanntem konfrontiert werden?
Sie beschnüffeln es, rennen weg, kommen dann zurück und fangen an, damit zu spielen… Dieses witzige Verhalten zu beobachten ist oft sehr hilfreich, um Ideen für gute Gags zu finden: Wir wollen nicht vergessen, dass Micky und Co. auch „lustige Tiere“ sind!
Technisch gesehen ist das so: In regelmäßigen Abständen habe ich Sitzungen mit den Redakteuren, die mich über gewünschte Rahmenhandlungen oder Art von Geschichten informieren, die sie wünschen. Zum Beispiel schlagen sie mir vor, Geschichten, die in Städten spielen, zu schreiben oder Geschichten, in denen Micky mit Goofy ein Abenteuer erlebt – Geschichten in denen Micky mit Maxi Smart vorkommt jedoch weniger.
Üblicherweise versuche ich selbst ein wenig zu variieren: Es würde mich langweilen, ausschließlich Detektiv-Geschichten zu schreiben.

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Wie lange brauchst Du für gewöhnlich zum Schreiben einer üblichen 30 Seiten umfassenden Geschichte?

Casty:
Das kommt auf die Komplexität eines Plots an. Normalerweise schreibe ich an einer Geschichte etwa vier bis zehn Tage. Dann lasse ich dem Ganzen Zeit, sich ein wenig zu setzen und kümmere mich um andere Dinge. Einige Zeit später lese ich mir alles noch mal durch und finde dabei dann manchmal Unstimmigkeiten oder Überflüssiges. Zu guter Letzt lasse ich die Geschichte von meinen Freunden (und manchmal deren Kindern) Probe lesen. Ihre Meinung ist mir wichtig, sie sind meine ganz eigene „Fokusgruppe“!

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
War es Deine Idee, einige Storys mit „Gamma“ zu schreiben oder hat das der Verlag angeregt? Wir haben gelesen, dass Du eine Geschichte oder sogar eine Trilogie mit „Atömchen“ planst. Hast Du diesbezüglich irgendwelche brandheißen exklusiven Neuigkeiten für uns?
 

Casty:
Nun ja, noch vor nicht allzu langer Zeit war Gamma bei mir eigentlich nicht sonderlich…beliebt. Die Tatsache, dass er sämtliche Probleme immer durch einen passenden Gegenstand, den er aus seinem Röckchen zieht, lösen kann, machen seine Abenteuer ziemlich vorhersehbar.
Dann las ich „Der Mann aus der Zukunft“ und all die anderen früheren Geschichten von Walsh & Gottfredson, und ich war „schockiert“.
In diesen Geschichten war Gamma ein ganz anderer Charakter: Kein Mensch, aber wesentlich menschlicher als die Menschen selbst. Es ist bewegend, wenn Gamma die kranke Tochter des Richters zum Lachen bringt. Diese Geschichten mit Gamma vermitteln ein mysteriöses und abenteuerliches Gefühl, das in den Jahren verloren ging, in denen Gammas Geschichten von anderen Autoren geschrieben wurden. Mit einer klaren Ausnahme: Ich denke hierbei an Scarpas „Riskanter Einsatz“ (LTB 303). Und gerade dieses Jahr gab es eine schöne Geschichte mit Gamma von Gianatti & Gottardo („Eta Beta e il centro del sole“ (I TL 2695-5 – in Deutschland bisher unveröffentlicht).
Deshalb hielt ich es für eine gute Idee, den „originalen“ Gamma mit einigen Geschichten wiederzubeleben. Ein Projekt, das dem gleicht, was ich zuvor mit dem Schwarzen Phantom gemacht habe.
Atömchen ist Großmeister Scarpas Figur, die ich noch mehr liebe: Ich fühle tiefen Respekt gegenüber Romano Scarpa und seiner „Schöpfung“, deshalb ist es mir sehr wichtig, sie für etwas wirklich Gutes zu verwenden. Aktuell habe ich diese Trilogie geschrieben…und sie in meine Schublade gelegt. Ich werde sie erst nach tausendfachem Überprüfen und Lesen herausgeben, wenn ich das Gefühl habe, dass sie fertig ist.
 

Eine Skizze von Micky und Atömchen, gemacht von Casty.
Vielleicht, eines Tages...sehen wir dieses Duo wieder...

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Deine beiden neuesten Geschichten hast Du selber gezeichnet. Hast Du vor, alle Deine künftigen Geschichten selbst zu zeichnen?

Casty:
Die Abmachung mit dem Verlag ist, dass ich weiterhin hauptsächlich als Autor arbeite und meine 10 bis 12 Geschichten im Jahr schreibe. Von diesen darf ich einige wenige selbst zeichnen, die Übrigen andere Künstler.
Ich versuche, für mich nicht unbedingt die besten Geschichten zu behalten, wohl aber die, die aus meiner Sicht am besten zu meinem Zeichenstil passen.
 









  

Die Entstehung einer Geschichte von Casty:
 

1.Bild - Script und Storyboard
2.Bild - Grobe Bleistiftzeichnungen
3.Bild - Definierte Bleistiftzeichnungen
4.Bild - Letztendlich getuscht
(in diesem Fall von Alessandro Zemolin)

 

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Du bevorzugst offensichtlich Micky und seine Freunde im Disney Cosmos, vergleichbar mit dem ebenso mausverrückten Massimo de Vita. Mit ihm und Giorgio Cavazzano hast Du bereits zu Beginn Deiner Disney Karriere mit den populärsten Zeichnern zusammengearbeitet. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Zeichnern? Schneidest Du Deine Geschichten auf den Zeichner zu oder hast Du keinen speziellen Zeichner im Hinterkopf? Gibt es mit anderen großartigen Mauszeichnern und -autoren wie Massimo de Vita vielleicht auch ganz gezielte Bestrebungen, die Maus wieder populärer zu machen?

Casty:
Oh, die „Offizielle Micky Task Force“ gab es schon immer…in meinen Träumen. Aber bitte nicht falsch verstehen, ich denke dabei nicht an ein „spezielles Team von Künstlern“…ich denke dabei mehr an eine Art „Micky-Initiative“. Etwas ganz offen gehaltenes, an dem sich jeder Zeichner oder Autor, dem das „Wiederpopulärmachen“ Mickys am Herzen liegt, beteiligen kann.
Und das könnte letztendlich Realität werden… Stell dir Folgendes vor: Ein Buch, ein jährliches Buch, mit fünf bis sieben GUTEN Micky Geschichten, gemacht von den größten internationalen Künstlern…eine Art „Micky Maus Weihnachtsbuch“…so wie es in Kürze für Asterix eines geben wird. Ich bin mir sicher, dass ein „Event“ wie dieses Mickys Popularität pushen könnte.
Unglücklicherweise ist Micky heute in einem Teufelskreis gefangen: Tolle Geschichten mit ihm werden nicht produziert, weil er nicht gut genug ankommt – und er kommt nicht gut an, weil keine guten Geschichten mit ihm produziert werden…
Um die Wahrheit zu sagen, die Begeisterung die wir in letzter Zeit für Micky entwickelt haben, ist spontan entstanden – dank aller Autoren und Zeichner, die immer ein besonderes Augenmerk auf Mickys Zukunft hatten. Beispielsweise entschloss sich Massimo De Vita vor einigen Jahren, nur noch Micky zu zeichnen. So war es vorhersehbar und nur logisch, dass viele meiner Geschichten von ihm zeichnerisch umgesetzt wurden. Ich empfand die Arbeit mit all den Zeichnern grundsätzlich als sehr ungezwungen. Wir haben uns oft gegenseitig begeistert, stundenlang telefoniert und dabei besprochen, wie das Eine gezeichnet und das andere platziert werden sollte. Das war eine wundervolle Erfahrung.
Im Vorfeld weiß ich nie, wer meine Geschichte zeichnen wird: „Die Paare zu bilden“ ist der Redaktion überlassen.

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Wir haben herausgefunden, dass Massimo De Vita manchmal die Geschichten, die er erhält, verändert. Wir denken da insbesondere an Deine Geschichte „Topolino e gli Spaventogrammi“ (I TL 2590-1, in Deutschland bisher unveröffentlicht). Du hast seit dieser Geschichte – abgesehen von einer - nicht mehr mit Ihm zusammengearbeitet. Liegt das an seinen Eigenheiten oder ist das schlicht Zufall?
 
Casty:
Oh, ich bin wirklich dankbar für diese Frage, da sie mir erlaubt, einiges klar zu stellen.
Dieses Gerücht, „Casty will nicht mehr mit De Vita arbeiten, weil dieser seine Plots verändert und dafür entlohnt werden möchte“ ist nur eines der vielen „netten Gerüchte“, die von denen hier in Italien verbreitet werden, die mich so sehr „lieben“…und sie sind absolut und ganz klar UNWAHR.
Oh, und es gibt sogar einige, die gehen noch weiter: Sie behaupten, dass ALLE Casty-Storys, die von De Vita umgesetzt wurden, nüchtern betrachtet von De Vita stammen würden und Casty nur einen knappen Handlungsstrang beigetragen hätte. Dies ist eine weitere große LÜGE.
Es ist schon richtig, dass De Vita hin und wieder, aber bei weitem nicht immer, Geschichten verändert. Dies hat er jedoch noch nie mit einer meiner Geschichten getan.
Allerdings werde ich ihm immer dankbar sein für seine großartige, herrliche Weise, in der er meine Geschichten gezeichnet hat: Massimo De Vita ist einer der letzten wenigen Großmeister und ich hoffe, in naher Zukunft wieder mit ihm zu arbeiten.
Zu der Geschichte „Topolino e gli Spaventogrammi“: Sie stammt aus einer Zeit, in der wir eine Menge Micky-Geschichten produziert haben, eine nach der anderen… Ich war mit einer anderen Micky-Story beschäftigt, deshalb hat mich De Vita freundlich gefragt, ob er – um die Fertigstellung zu beschleunigen – das Script für „Topolino e gli Spaventogrammi“ schreiben dürfe. Wir haben beide den gleichen Draht zu Micky, deshalb sagte ich sofort zu und De Vita schrieb das Script. So war das.
Der Grund, warum wir aktuell nicht mehr zusammenkommen, ist, dass erfreulicherweise viele andere Autoren begonnen haben, gute Micky-Geschichten zu schreiben…und ebenfalls viele weitere Zeichner die Begeisterung zeigen, diese umzusetzen. Ich habe und hatte das große Glück, viele von ihnen zu treffen und recht häufig haben wir sehr gute Storys zusammen gemacht.

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Es ist auffällig, dass Du in Deinen Geschichten ausschließlich Hauptfiguren verwendest, die bereits der großartige Romano Scarpa verwendete. Natürlich abgesehen von Deinen eigenen Schöpfungen. Kannst Du uns ein wenig über die Gründe für diese Vorgehensweise erzählen? Ist es vielleicht eine Art von Purismus?

Casty:
Ein klares Nein! Es ist kein Purismus. Nur ist es einfach so, dass Scarpas Charaktere besser ins Gesamtbild der Geschichten passen, die ich üblicherweise schreibe – Gleiches gilt für die Schöpfungen von Walsh und Gottfredson. Ich mag viele Charaktere, die nicht von Scarpa sind, wie beispielsweise Zapotek und Marlin, aber ich konnte diese bisher in keinem Plot unterbringen, der mich überzeugt hätte.
Die (zwei) Figuren, die ich geschaffen habe betreffend – aufgrund derer manche sagen, ich würde den Disney-Cosmos durcheinander bringen wollen – kann ich sagen, dass ich es für gut befinde, hin und wieder neue Charaktere dem Maus-Universum hinzuzufügen, da dieses (im Gegensatz zum Duck-Universum) recht dürftig bestückt ist, was die Anzahl und Vielfältigkeit der Charaktere angeht.
Über all die Jahre hinweg wurden sehr sehr viele „wichtige“ Charaktere für das Duck-Universum geschaffen: Gitta Gans, Kuno Knäul, Dolly Duck, Dummy Duck, Phantomias, Phantomine, Fräulein Rita Rührig, Baptist und Anwanzer, Quacky, Hubert Bogart, Bubble Billy, Sergei, Peter Plauder, Donny Duck, usw. und so fort.
Bei den Mäusen kamen abgesehen von Zapotek und Marlin nur zwei weitere hinzu: Indiana Goof und Steinbeiß…und seht doch nur, wie die beiden frischen Wind in Mickys Welt gebracht haben!

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Wenn jemand selbst Comic-Geschichten schreiben möchte: Was würdest Du ihm raten? Gibt es Kurse oder gar Studiengänge zum Schreiben von Comicgeschichten oder überwiegen in dem Geschäft die Autodidakten? Hin und wieder tragen sich ja Comicfreunde wie wir mit dem Gedanken, selbst eine Comicgeschichte zu schreiben. Wie siehst Du die Chancen dafür, ein professionelles Niveau zu erreichen und von den Comicverlagen auch gehört zu werden?

Casty:
Oh ja, manchmal treffe ich junge Leute, die gerne Comic schreiben würden und mich um Rat fragen.
Ich kann allen nur sagen, dass sie es tun sollen wie ich: „Schreibe Deine beste Geschichte, stecke sie in ein Kuvert, schicke sie an einen Verlag und…kreuze Deine Finger, wohlwissend dass möglicherweise zur selben Zeit jede Menge andere Leute, die gerne Autor werden wollen, das gleiche tun...“
Es gibt wirklich viele junge Leute, die gerne Comics machen würden und ich frage sie oft: „Willst Du wirklich gerne einen Beruf ausüben, der Dir keinen festen Anstellungsvertrag, kein festes Gehalt, keine Krankenversicherung, keinen bezahlten Urlaub und keine Rentenvorsorge bietet; einen Job, der elementar von Deiner Schöpfungsfähigkeit abhängt…und von der guten Laune Deines Redakteurs?“
Um auf die Frage zurück zu kommen: Ja, es ist möglich, sich das selbst beizubringen. Für mich war die effektivste „Lernhilfe“, Scarpas Art zu Schreiben zu studieren – momentan studiere ich gerade Walsh und Gottfredson.
Massimo Bonfatti (der leitende Autor von Cattivik), mit dem ich gemeinsam eine Menge Geschichten geschrieben habe, hat mich über die Jahre in viele Geheimnisse über das Schreiben und Zeichnen eingeweiht.
Natürlich gibt es auch Schulen. In Mailand gibt es die „Disney Academey“, wo man eine spezielle „Disney-Schulung“ erhalten kann.
Oh, was ich auch noch immer denen empfehle, die Comics machen wollen ist, dass sie sich erst einmal einen Arbeitsplatz suchen sollen, einen „richtigen Arbeitsplatz“: Oftmals kann der „richtige Arbeitsplatz“ Deine Karriere retten…

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
In welchen Genres fühlst Du Dich besonders wohl? Zuletzt überwiegen sehr deutlich die Kriminalgeschichten. Viele Fans lieben jedoch auch Mausgeschichten, die in Fantasiereichen spielen, wie die wunderbare „Asgardland Trilogie“ (LTB 124, „Das gläserne Schwert“, „Das Turnier von Asgardland“ und „Die Rückkehr des Fürsten von Niflheim“; Massimo de Vita; und die Weitererzählung in LTB Sonderband Weihnachten 1, „Der große Schlaf“; de Vita/Michelini). Des Weiteren sind Abenteuerreisen in ferne Länder sehr beliebt. Ist in dieser Richtung etwas von Dir zu erwarten?

Casty:
Ich favorisiere die Geschichten, die Mysteriöses enthalten: Ich liebe das Wort „mysteriös“, seit ich ein kleines Kind war. Und mir gefällt die Tatsache, dass so viele Dinge, die für uns Erwachsene selbstverständlich sind, für Kinder mysteriös erscheinen: Ich denke hier im Speziellem an Szenen, in denen wir Kater Karlo mit buschigen Schnurrbärten und dunklen Sonnenbrillen zu sehen bekommen – und wir Erwachsene wissen das ER es ist – aber Micky und die kleineren Leser fragen sich „Wer um alles in der Welt ist das?! Hmmmh…“
Ich bevorzuge Sience-Fiction Storys…aber nicht dieses schillernden Geschichten mit Monstern und Raumschiffen: Zum Beispiel mag ich sehr gerne die TV-Serie „The Twilight Zone“…oder aus der jüngeren Zeit „Lost“. (Trotzdem bin ich ein wirklich großer Fan von Star Wars!)
Was das Fantasy-Genre angeht denke ich, bin ich einfach nicht geeignet dafür: Ich mag die Fantasy-Geschichten von De Vita, aber ich wäre nicht in der Lage, Ähnliches zu schreiben. Gleiches gilt auch für Western-Geschichten!
Abgesehen von den Genres ist der Stil ausschlaggebend: Eine Western-Geschichte von Bill Walsh unterscheidet sich wirklich sehr von einer Western-Geschichte geschrieben von Guido Martina.
Wenn ich schreibe, versuche ich, unterschiedliche Stile zu verwenden: Für mich fühlt es sich nicht richtig an, Micky an ernste Detektiv- oder Thriller-Geschichten zu binden. Wie bei den Ducks: Sie sind für Komödien, Parodien oder Weltreisen gut…
In Italien war Micky für eine zu lange Zeit an die Rolle des Polizei-Helfers gebunden, dargestellt als alles wissender Mr. Perfekt. Und ich bin der Meinung, dass auch Micky hin und wieder das Recht hat, mal „etwas Dummes“ zu tun. Ich denke hierbei zum Beispiel an den „Streich mit dem Ball“, den Micky in der Geschichte „Topolino e il bip-bip 15“ (I TL 257-AP, – in Deutschland bisher unveröffentlicht) Goofy spielt. Oder in der gleichen Geschichte, das witzige Duell mit Kamura, wo Micky letztendlich als Paket im Briefkasten endet.
Die letzten sieben Geschichten, die ich geschrieben habe, waren weder Detektiv-Geschichten, noch enthielt auch nur eine von ihnen Kommissar Hunter und keine war auf Mouston als Handlungsort festgelegt: Jede von ihnen ist eine lockere und lustige Geschichte. Davon abgesehen gibt es die apokalyptische Story „Topolino e il mondo che verrà“ (Micky Maus und die kommende Welt), welche dennoch ihre eigenen lustigen Momente hat. Sie wurde von einem 40er-Jahre Science-Fiction Film inspiriert.

Die Startseite der bald in Italien erscheinenden Geschichte
 "Micky und die kommende Welt"

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Wir kennen die dezentrale Arbeitsweise in der Branche heutzutage, bei der einige Künstler verstreut über das ganze Land in ihren jeweiligen Heimatorten arbeiten. Gibt es für Dich Möglichkeiten, die anderen Disney Künstler zu treffen? Bist Du in engem Kontakt mit einigen oder bezeichnest spezielle Kollegen sogar als Freunde?

Casty:
Meistens organisiert Disney Italia einmal im Jahr ein großes Treffen, zu dem alle italienischen Künstler eingeladen werden. Dieses dauert zwei bis drei Tage in denen wir die Chance haben, miteinander zu reden und uns kennenzulernen. Über all die Jahre hinweg, habe ich viele Kollegen kennengelernt und ich lerne noch immer neue kennen. Mit einigen von ihnen stehe ich in regem Kontakt…zum Beispiel mit Mazzon und Zemolin, der die Geschichten, die ich zeichne, tuscht. Mit anderen ist das so, dass wir uns hauptsächlich kontaktieren, wenn wir gerade miteinander an einer Geschichte arbeiten.

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Du hast bereits ein paar eigene Disney Charaktere erfunden, ich denke da an “Der Superjux” oder insbesondere an “Dr. Tabea Trifftig“, einen Charakter den ich ganz besonders mag. Gibt es Hoffnung auf weitere Abenteuer mit ihr? Besteht darüber hinaus die Möglichkeit „Tabea“ zusammen mit „Indiana Goof“ auftreten zu lassen? Die beiden wären, von meiner Warte aus betrachtet, ein hervorragendes Team.

Casty:
Oh vielen Dank, ich freue mich, dass Dir Tabea gefällt! Tabea ist ein Charakter, der bei den Lesern sehr gut ankommt. Als Cavazzano und ich die erste Geschichte mit ihr fertig gestellt hatten („Topolino e la spedizione perduta“ (I TL 2507-1 – in Deutschland bisher unveröffentlicht) missfiel es uns sehr, diese liebenswerte Archäologin nicht mehr sehen zu sollen: *Ächz*, das Abenteuer endete, als es am besten wurde!
Deshalb fragte ich Ezio Sisto (Vize-Direktor des wöchentlich erscheinenden italienischen „Topolino“), ob ich sie in einigen anderen Geschichten verwenden dürfte: Dies wäre auch eine gute Möglichkeit, um Micky und Goofy einen Grund für Weltreisen zu liefern.
Ich mag die Dynamik sehr, die von diesem Trio ausgeht (…oder besser gesagt, diesem Quartett, wenn man bedenkt, dass sie immer auf ein merkwürdiges und lustiges Tier stoßen): Tabea gibt Micky durch Ihre jugendliche Naivität ein Stück seiner Fähigkeit zurück, über Dinge zu staunen – welche in den 80 Jahren, in denen er überall gewesen war, verloren gegangen zu sein scheint.
Es gibt ein Wiedersehen mit Tabea, Micky und Goofy in einem neuen Abenteuer mit dem Namen „Topolino e le miniere di fantametallo“, wo sie nach dem verschwundenen Kontinent Atlantis suchen werden.
Tabea ist sowieso – und ich möchte das bewusst unterstreichen – lediglich ein Nebencharakter: Ich werde niemals eine Geschichte schreiben, die ihren Namen im Titel trägt, wie „Dr. Tabea Trifftig und…“.
Das ist einer der Gründe, warum Tabea niemals (durch meine Hand) auf Indiana Goof, welcher ein „offizieller Charakter“ ist und somit einen Geschichtentitel mit seinem Namen schmücken darf, treffen wird.
Oh und da gibt es jemanden, der möchte, dass Tabea auf Zapotek trifft, damit sie in die Vergangenheit reisen und so ihre Rätsel lösen kann…
Nee, nee! Das wäre viel zu leicht auf diese Art und Weise!
Ich persönlich mag diese Art von Team-Bildung und die Cross-Over-Geschichten nicht. Er und Tabea gehören in zwei verschiedene „Welten“: Indi hat seine eigene Serie, die „Krantz“ und „Martina Ubersetzen“ enthält – Tabea hat ihre eigenen Probleme mit Atlantis und der „Society of the Violet Hares“…
Oh und letztendlich wäre meine größte Angst, dass ich dann ertrinke in Bittschreiben junger Leser, die unbedingt wollen, dass die beiden heiraten!!

   
 
   
Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Lass uns nun ein wenig privater werden.
   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Wo bist Du aufgewachsen und wo lebst Du heute? Gibt es spezielle Orte oder Eigenschaften, die Deinen Heimatort auszeichnen und die Du schätzen gelernt hast? Hast Du irgendwelche besonderen Orte gefunden, an die Du sich zum Entspannen und Nachdenken zurückziehst?

Casty:
Ich bin in Gorizia geboren und lebe im Moment in Gradisca, Friuli Venezia. Das ist in Nord-Ost Italien, nicht weit von Venedig entfernt (also eine Stunde mit dem Auto, um Cavazzano und Gatto zu treffen) und ziemlich nah am Meer (vielleicht kennt jemand Grado und Lignano, zwei Touristen-Hochburgen, sehr beliebt bei Deutschen). Ich mag eigentlich alles an meiner Heimatstadt, sie ist der perfekte Mittelweg zwischen Moderne und Tradition. Sie liegt im Grünen, umgeben von den altertümlichen Ruinen einer Venezianischen Festung, aber es gibt auch Geschäftszentren und Fabriken.
Es gibt Tage im Sommer, an denen ich es einfach nicht aushalte, am Schreibtisch zu stehen. Dann breche ich einfach ab, packe im Handumdrehen meine Sachen und eile zum Strand.
Mein Haus ist das letzte in der Stadt: 100 Meter links ist das Zentrum mit dem Marktplatz, den Geschäften, den Kneipen; 100 Meter rechts…pure „Wildnis“! Ich liebe es…

 

Casty in seinem Garten (14.10.2007)

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Wie sieht es mit Familie aus? Bist Du bereits verheiratet und/oder hast eigene Kinder?

Casty:
Nein, ich bin nicht verheiratet und war es noch nie (…und jemand Bestimmtes ist mir immer noch sehr dankbar dafür). Es gibt Zeiten, in denen es schwierig ist, Deiner Freundin zu erklären: „Nein, Schatz! Es ist nicht wahr, dass ich nichts tue… Ich…denke über einen Weg nach, wie sich Micky aus dem Schlammassel befreit, den ihm Kater Karlo eingebrockt hat und…“ und sie dann „merkwürdige Zeichen“ mit ihrer Hand macht!

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Welche Hobbys pflegst Du? Bist Du ein begeisterter Kinogänger, liebst die Oper oder hast einen speziellen Musikgeschmack? Und welche Romane gehören zu Deinen Favoriten?

Casty:
Oh, mein Hobby sind Comics: Sie erschaffen und sie lesen. Dann noch Kino: Ich schaue sehr viele Filme, auch schlechte… Du kannst immer Inspiration für neue Geschichten in ihnen finden. Als ich noch ein Kind war, habe ich sehr viel gelesen (Verne, Salgari und alles was Sciene-Fiction war), aber momentan bin ich kein großer Buchleser. Stattdessen verbringe ich aktuell viel Zeit mit dem Internet, wo ich nach „mysteriösem Zeug“ Ausschau halte. Das Internet ist eine Art Goldmine für Autoren, die Informationen benötigen. Oh, des weiteren fahre ich gerne Rad, auch wenn ich in den letzen Jahren langsam machen musste aufgrund unangenehmer Rückenschmerzen – in den letzten zwei Jahren war mein hauptsächliches Hobby, zu lernen, wie man richtig sitzt, *seufz*.

   
 
   

Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Hast Du bereits genaue Ziele für die Zukunft? Wirst Du uns als Disney Autor und Zeichner lebenslang erhalten bleiben?

Casty:
Oh, eine…“Hochzeit mit Disney“? Also ich würde aus dem Stand „Ja“ sagen – aber bei einer Heirat muss auch der Partner „Ja“ sagen…
Ja, mein Wunsch ist es, für Disney eine lange Zeit zu arbeiten, jedoch dabei nicht meine persönlichen Projekte zu vergessen. Ich habe einige Projekte mit neuen Charakteren in meiner Schublade und hin und wieder zeige ich sie einem Verlag.
 

Eine neue Comicfigur, die noch einen interessierten Verleger wartet!
LaGazza, eine futuristische und hübsche...Diebin.
Zeichnungen und Grafikbearbeitung von Casty.


Eines meiner besonderen Ziele? Dieses hier: Es zu schaffen, in meiner Karriere wenigstens 10 Geschichten zu produzieren, die in den Herzen der Leser verweilen. Und alle mit Micky in der Hauptrolle.

   
 
   
Christoph Restel (lustige-taschenbuecher.de):
Vielen lieben Dank, dass Du Zeit für dieses Interview gefunden hast!
 

Casty:
Ich danke Dir! Es war mir eine große Freude.


Zwei echte Castys!!

   

Der Abdruck, auch auszugsweise, ist nur nach vorheriger Genehmigung unter Nennung der
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